KUNST – 14.01.2026
Wer visualisiert Silberheim auf welche Weise? Über Kunst, Design und mehr.
Silberheim Evolving Card Game ist ein Sammelkartenspiel und daher brauchen wir zwangsweise sehr viele sehr hübsche Illustrationen, die diese Karten – bei uns Fragmente genannt – schmücken. Ob Arak, Wolby oder Kampfschrei zum letzten Gefecht, all diese Motive entstehen bei uns. Aber in Wahrheit entstehen sie überhaupt nicht ausschließlich hier, bei uns, im Büro, in Landstuhl. Denn unser Artbüro beschäftigt sich zwar durchaus mit Artworks, aber nicht unbedingt in der Art und Weise, wie es der erste Eindruck vermuten lässt. Relativ enttäuschend können wir nämlich offenbaren, dass das Artbüro nicht den ganzen Tag hübsche Bildchen malt.
Irrtümer über die Arbeit des Artbüros begegnen uns relativ regelmäßig. In den meisten Fällen zeigt sich, dass Menschen glauben, Illustrationen würden innerhalb unserer vier Wände entstehen, ausgehend und angefertigt durch Fiona, Hakim oder Zongi. In der Konsequenz liegt dann auch die Erwartung vor, dass Fiona, Hakim und Zongi nicht viel anderes machen als unsere Karten zu illustrieren. Und das ist ziemlich falsch. Bevor wir aber die tatsächlichen Aufgaben des Artbüros einmal genauer betrachten, widmen wir uns zunächst der Frage, wo unsere Illustrationen denn dann herkommen.
Für die Anfertigung unserer Kartenartworks beauftragen wir externe Künstlerinnen und Künstler. Nach aktuellem Stand haben wir bereits mit über drei Dutzend Artists zusammengearbeitet und daraus über 120 Illustrationen erhalten. Diese habt ihr vielleicht auch schon gesehen: Ob auf Instagram, in unserem Art-Recap auf YouTube, hier auf der Website, ja sogar hängend an unseren Bürowänden und natürlich in Silberheim ECG könnt ihr sie bestaunen. Aber bei Weitem noch nicht alle. Ein paar werden wir euch bewusst vorenthalten, damit es ein bisschen spannend bleibt (tut uns leid ☹).
Ein kleiner Ausschnitt von Silberheim-Illustrationen
Aber warum machen wir das mit dem Illustrieren nicht selbst? Das hat mehrere Gründe. Einerseits hat das Artteam, wie wir gleich noch merken werden, eine ganze Menge anderer Arbeit. Andererseits würden dann vermutlich niemals alle Kartenbilder „rechtzeitig“ fertig werden. Denn insgesamt benötigen wir hunderte Illustrationen für hunderte unserer Fragmente. Und eine Illustration entsteht nicht einfach innerhalb weniger Stunden. Laut unserem Art Director Hakim dauert allein das Illustrieren an sich zwischen 30 und 80 Stunden – ohne vorherige Konzeption.
Stellen wir uns nun mal vor, Zongi, Hakim und Fiona würden seit ihrer jeweiligen Vollzeitanstellung bei uns nichts, aber auch rein gar nichts anderes machen und im Durchschnitt 50 Stunden für eine Illustration brauchen. Niemals krank, niemals im Urlaub, niemals Feiertage, niemals eine kreative Blockade oder irgendetwas anderes. Etwa 213 Illustrationen gäbe es dann heute – lange nicht genug, denn schon allein während unserer Alpha-Testphase konnten um die 500 Fragmente freigeschaltet werden.
Aber Moment mal – so viele Artworks haben wir doch nicht mal aktuell?! Ja, denn zahlreiche Illustrationen sind noch in Arbeit und werden momentan durch Platzhalter vertreten. Wir streben allerdings an, sämtliche Platzhalter so schnell wie möglich zu ersetzen, und zwar durch Kunst. Und Kunst kommt von Menschen, von den internationalen Künstlern und Künstlerinnen, mit denen wir zusammenarbeiten. Das soll möglichst auch so bleiben, selbst wenn das bedeutet, einen langen Arbeitsprozess hinter jeder Illustration hinzunehmen und selbst wenn die Alternative um ein Vielfaches günstiger wäre. Abgesehen davon würde uns das Artbüro vermutlich sonst auch einen auftragskillenden Axt-Mörder auf den Hals jagen (zu Recht).
213 Illustrationen wären möglich gewesen, wenn sich Hakim, Zongi und Fiona bisher keiner anderen Art von Aufgabe gewidmet hätten. Theoretisch. Praktisch sähe Silberheim in diesem Szenario nämlich ganz anders aus – und wäre noch ziemlich nah an dem Spreadsheet dran, das Silberheim ECG einmal war. So erzählt Zongi etwa: „Für Außenstehende sind viele Designelemente so selbstverständlich, dass sie nicht daran denken, dass die auch designt werden müssen.“ Damit meint sie etwa das Kartendesign – abgesehen der Illustrationen.
Auch das Kartendesign an sich muss designt werden
Grob zusammengefasst gibt es in Silberheims Artbüro drei große Bereiche. Die schauen wir uns nun etwas genauer an.
Fiona ist bei uns für Concept Art zuständig. Darüber hat sie in unserem Blogbeitrag über das Arak und im Beitrag über das Wolby bereits ein wenig berichtet. Kurz zusammengefasst ist sie dafür zuständig, dass unsere Lore visuell wird. Sie konzipiert und designt Charaktere, Flora, Fauna, Orte, Güter, Gegenstände und was sonst noch zu Silberheim gehört. Sie überlegt sich beispielsweise, wie konkret Khelderon – Zauberstab von Garda, der in Daemonion Miko übergeben wird – aussieht. Theoretisch beschrieben ist dieser auch im Roman. Praktisch anschaubar aber erst durch Fionas Arbeit.
Was zum Arak hat Fiona denn hier Schönes konzipiert?!
Sinn des Ganzen ist vor allem, Konsistenz herstellen zu können und Chaos zu verhindern. Hätten etwa alle Künstlerinnen und Künstler, die wir extern beauftragen, freie Hand darüber, Khelderon zu gestalten und lediglich die entsprechende Buchstelle als Orientierung, würde der Stab vermutlich in jeder Version anders aussehen. Bei seinem erstmaligen Auftauchen in der Geschichte wird Khelderon relativ vage beschrieben:
„Miko nahm den Stab an und beäugte ihn fasziniert. Er bestand ganz aus verflochtenen Wurzeln und war überaus interessant anzusehen. Am oberen Teil des Stabes, direkt über dem Griff, breiteten sich die Wurzeln fächerförmig aus. Trotz der alten und knöchernen Struktur wirkte das Geflecht nahezu lebendig“ (Dornbusch & Nyenhuis, 2022, S. 93)
Irgendein Stock vs. Khelderon entsprechend Fionas Konzept
Manchmal gibt es diese Art von Beschreibungen allerdings nicht. Teilweise sind Lore-Elemente noch wenig konkret und es ist vielleicht nur bekannt, dass sie existieren. Wie sie existieren, wie sie aussehen, muss oft noch konzipiert und ausgearbeitet werden. Die Ergebnisse heraus können externen Artists dann als Orientierung dienen. Fiona orientiert sich nicht selten auch an dem, was in unserer Knowledge-Base steht: Das ist eine Art internes Silberheim-Wikipedia. Lückenlos ist das allerdings noch nicht, denn dafür ist Isdraia als Silberheims Spielstätte zu riesig. Wo Lücken sind, muss Lore noch entstehen. Auch da ist Fiona oft beteiligt.
Entsprechend erfordert ihre Arbeit ein immenses Maß an Kreativität. Ab und zu tut da etwas Ablenkung ganz gut. In der Tat bringt sich Fiona momentan auch relativ oft ein, wenn es um das Design des Spielfelds von Silberheim ECG geht oder hat ein neues Cover für Daemonion illustriert. Sie unterstützt also auch Bereiche, die nicht explizit der Concept Art zugehören.
Das neue, aktuelle Cover von Daemonion aus Fionas Hand
Nehmen wir an, Fiona hat nun eine ganze Reihe an Konzepten und Designs finalisiert und diese können nun als Orientierung für Fragmentillustrationen genutzt werden. Wie würde es dann weiter gehen? Hier kommt unser Art Director Hakim ins Spiel. Er ist derjenige, der die Zusammenarbeit mit externen Künstlerinnen und Künstlern koordiniert. Er recherchiert, welche Artists zu uns passen könnten, kommuniziert ihnen unsere Ideen und Vorstellungen, führt Videocalls, gibt Feedback, klärt Fragen und vieles Weitere. „Das findet meistens alles auf Englisch statt, weil die überall verstreut auf der Welt leben“, ergänzt Hakim.
Anfangs geht es darum, konkrete Konzepte für die Darstellung der Karte anzufertigen – nicht Konzepte im Sinne von Concept Art (= Wie sehen Glimmerwölfe aus?), sondern im Sinne der konkreten Kartenillustration (= Wie könnte "Dressierter Glimmerwolf" cool als Illustration aussehen?). Dann werden Skizzen ausgetauscht und eine Art Feedback-Schleife beginnt. Angefangen mit ein paar groben Entwürfen, über Licht und Form zu den Farben, dauert es eine ganze Menge an Mailverkehr, bis aus dem ersten Hallo eine fertige Illustration wird. „Ich schreibe sehr sehr viele Mails und organisiere“, erklärt Hakim.
Hakims Konzept wird zur fertigen Illustration von Zoe Badini
Aber auch er ist immer mal wieder am Malen. Erst letztes Jahr hat er beispielsweise eine historisch akkurate Version der Landstuhler Burg Nanstein illustriert – die kann mittlerweile sogar im Landstuhler Rathaus besucht und bestaunt werden! Möglicherweise arbeitet Hakim momentan auch an einer weiteren, neuen Illustration, die einen recht spannenden Charakter Silberheims darstellt. Möglicherweise berichten wir darüber mal ausführlich. Möglicherweise vergessen wir das aber auch.
Burg Nanstein illustriert durch unseren Art Director Hakim Pettes
Ähnlich wie Fiona ist auch Hakim relativ flexibel in seinem Tätigkeitsbereich und unterstützt ab und zu an anderer Stelle. Er hilft etwa auch beim World Building mit oder beim Interface von Silberheim Evolving Card Game.
Nehmen wir nun an, Hakim hätte entweder selbst oder durch die Beauftragung eines externen Artists eine neue Illustration erschaffen bzw. erhalten. Wie geht es dann weiter? Nun wird es eventuell etwas kompliziert. Was momentan wie eine idealtypische Sequenz wirkt und impliziert, dass der nächste Schritt der letzte einer zeitlichen Abfolge ist, ist das irgendwie nur so halb. Oder so. Denn Zongi ist als Creative Director nicht nur am Ende eines Prozesses für etwas zuständig, sondern eigentlich eine omnipräsente Designinstanz, die alles überblickt und überall ihre Fäden zieht.
Spannede Interface-Dinge passieren mit und durch Zongis Expertise
Zongi kümmert sich um das Branding von Silberheim. Sie behält alle möglichen Designdinge im Blick, um Silberheim konsistent zu halten. Sie erarbeitet und überblickt also die visuelle Identität des Projekts und hat eigentlich überall ihre Finger im Spiel – außer bei den Illustrationen. Dadurch hat sie mit so ziemlich allen möglichen Bereichen bei Beyond Worlds etwas zu tun. Unser Spiel, Silberheim ECG, ist in seinem Interface-Design zu einem großen Teil durch Zongi entstanden, jeder noch so unbedeutsam wirkende Knopf oder Schriftzug ist eine bewusste Entscheidung durch sie. Ebenfalls unterstützt Zongi Team Marketing, manchmal tatkräftig und manchmal durch ihren Designer-Senf, den sie dazu gibt. Innerhalb des Artbüros gibt Zongi natürlich auch Feedback. So hält sie Silberheims Gesamtbild zusammen.
Besonders aufmerksame Leserinnen und Leser werden vielleicht bereits gemerkt haben, dass dieser Beitrag ein entscheidendes Fragezeichen aufwirft. Denn wer sich bestimmte Fragmente Silberheims schon einmal genau angesehen oder in der Vergangenheit aufgepasst hat, weiß, dass das Artbüro durchaus schon mal Kartenillustrationen angefertigt hat. Sie illustrier(t)en also doch. Nur nicht in einem riesigen Ausmaß.
Wenn es nach Hakim ginge, würde er durchaus sehr viel mehr illustrieren. „Ich würde gerne den ganzen Tag malen könnten“, grinst er, „Mein Ziel ist es, besser zu werden und schneller, sodass ich gute Illustrationen irgendwann innerhalb von 20 bis 30 Stunden abschließen kann.“ Sich stetig zu bessern, hat aber auch gewisse Konsequenzen. „Ich bin mit meiner eigenen Arbeit nach gewisser Zeit weniger zufrieden. Wenn ich mir den Sturmkeiler heute anschaue, würde ich viele Dinge anders machen.“ Mit dem Sturmkeiler meint er das Fragment Agotho, Gebieter des Err. Diesen hat Hakim nämlich für Silberheim Evolving Card Game illustriert. Außerdem gehört es zu den Promokarten unserer vergangenen Alpha-Testphase.
Agotho, Gebieter des Err von Hakim Pettes
Zongi hat schon zwei Illustrationen angefertigt: Die Waldbento-Bestie und das Bento-Junges. Das sind grob beschrieben uralte, dinoartige Bestien. Wenig sollte überraschen, dass auch Zongi damit kämpft, so richtig zufrieden mit den beiden Illustrationen zu sein. Tatsächlich sind diese auch bereits ein paar Jährchen alt und entstanden während Zongis Praktikum 2022. Eigentlich sollte sie damals an Concept Art arbeiten – Fiona steckte zu dem Zeitpunkt noch inmitten ihres Studiums und hatte keine Ahnung über die Existenz von Beyond Worlds. Recht schnell zeigte sich dann aber, dass Zongi gar nicht mal so schlecht in diesem „Grafikdesign“ ist – möglicherweise erklärt durch einen vorangegangenen Bildungsweg. Daher schlug sie bei Beyond Worlds dann diesen Weg ein.
Waldbento-Bestie und Bento-Junges von Zongi
Fiona hatte ebenfalls einen Ausflug in die Illustration und hat sich dem Glenmor der Pforte angenommen. Das wurde ihr während ihres Praktikums angeboten, um auch mal was anderes zu machen als nur Concept Art – was Fiona keinesfalls als etwas Schlechtes empfindet. Dennoch wollte sie sich der Aufgabe annehmen und so entstand die entsprechende Illustration. Dabei war es das erste Mal, dass Fiona eine „komplette“ Illustration anfertigte. Sie erinnert sich: „Es hat mir sehr weitergeholfen, mich zu verbessern, besonders aus technischer Perspektive.“
Glenmor der Pforte von Fiona Kämmerer
Wenn jemand ein gutes Mittel gegen das Imposter Syndrom kennt, gerne melden.