KUNST, NEWS – 28.10.2026
Versprochen ist versprochen.
Vor etwa einem halben Jahr traf es den einen oder die andere unter euch vermutlich wie ein Schlag: Da erdreisten wir uns allen Ernstes, KI-generierte Platzhalter für unsere Karten-Illustrationen einzusetzen – auch, wenn lediglich zu Testzwecken im Rahmen unserer Beta und aus Gründen, die sich nicht schlichtweg durch pure Faulheit, Effizienzwahn und Geldgier erklären lassen. Dass das (dennoch und berechtigterweise) viele gestört hat, haben wir auf den unterschiedlichsten Wegen zu spüren bekommen.
Der Unmut war dabei auf einer Seite am größten. Und das war unsere eigene. Ihr könnt euch kaum vorstellen, wie sehr wir diese Dinger gehasst haben. Umso größer ist das Lächeln, mit welchem wir in die Zukunft schauen können. Denn wie wir es damals versprochen hatten, werden sämtliche dieser KI-Geburten sicherlich keinen Platz in der Release-Version von Silberheim Evolving Card Game finden.
Es war der 19. März, an welchem wir den Beitrag zu den KI-Platzhaltern veröffentlichten. Damals sprach eine der Überschriften noch von 152 Beweisstücken – Beweisstücke dafür, dass wir es ernst meinen mit der handgefertigten Kunst. Unsere Einstellung hat sich, wie ihr euch sicher bereits denken könnt, seitdem nicht geändert. Wenn ich an die zahlreichen KI-generierten Speisekarten mit ihren idealisierten und immerzu gleichaussehenden Bildern von Essen denke, die mir seitdem außerhalb dieser Büroräume begegnet sind, würde ich sogar behaupten, dass sich unsere Perspektive eher noch mehr gefestigt hat. Denn wir glauben nicht nur daran, dass handgefertigte Illustrationen überdauern können, sondern dass sie es sogar müssen. Menschliche Kreativität ist wertvoller als jede Einsparung zugunsten von Effizienz und letztlich das, was uns menschlich macht.
Nun wollen wir also erneut eine Bestandsaufnahme machen und dabei in gewohnter Silberheim-Manier ganz ehrlich mit euch sein. Dafür machen wir zunächst etwas Grundschul-Mathematik, um euch zu veranschaulichen, wie sehr wir bzw. unser Artteam sich ins Zeug gelegt hat. Seit Firmengründung im Jahr 2020 entstehen Illustrationen in Zusammenarbeit mit (mittlerweile) über 100 internationalen Künstlerinnen und Künstlern für Silberheim. Dabei hatte es ein wenig gedauert, bis das alles Fahrt aufgenommen hat. Einerseits lag das an personellen Gründen, denn zunächst gab es keine dedizierte Position für die Art Direction und gleichermaßen noch zu viel für das Game selbst zu designen. Dazu mehr lest ihr in diesem Beitrag (der mittlerweile jedoch auch nicht mehr ganz aktuell ist – so ist das Artbüro erheblich gewachsen).
Um den Vergleich fair zu gestalten, schauen wir uns daher einmal den Stand der Alpha, Beta und schließlich der Release-Version an. Zwischen der Alpha und Beta von Silberheim ECG sind in einem Zeitraum von etwa neun Monaten etwas mehr als 40 neue Illustrationen entstanden. Diese haben zu den 152 Beweisstücken beigetragen, von denen wir euch im März berichtet hatten. Das heißt: Neun Monate brauchte es damals, um rund 40 neue Illustrationen zu ermöglichen. Zwischen der Beta und dem anstehenden Release liegen allerdings nur sechs Monate. Wie also, sollte das bitte funktionieren? Denn so viel können wir verraten: In der ersten, über Steam verfügbaren Edition „Daemonion“ (was ein Zufall – so heißt auch unser erster Roman!) könnt ihr euch insgesamt 485 Karten erspielen.
Wäre es im gleichen Tempo weitergegangen, hätten wir bis zum Release von Silberheim ECG lediglich 179 fertige Illustrationen. Oder anders gesagt: Wir bräuchten in der gleichen Geschwindigkeit noch sechs Jahre und drei Monate, um alle 485 Karten illustriert zu kriegen. Das ist natürlich nicht so gut. Entsprechend hat sich mittlerweile einiges verändert, sodass wir auf etwa 370 fertige Kunstwerke für unsere Fragmente schauen können. Nun stellt ihr euch sicher zwei Fragen: Erstens, wie haben wir das auf einmal geschafft? Und zweitens: Warum sind es „nur“ etwa 370 und nicht die angesprochenen 485? Das gehen wir nacheinander einmal durch.
Eine kleine Auswahl der neuesten Illustrationen für Silberheim ECG.
Als Erstes möchten wir einmal thematisieren, weshalb unsere Artwork-Produktion auf einmal so viel effizienter und effektiver geworden ist – und zwar ohne, dass jemand im Team die Nacht im Artbüro verbringen musste (das tun wir nur den Programmierern im Keller an, keine Sorge).
Im Grunde haben hier drei wesentliche Punkte eine Rolle gespielt. Den ersten haben wir schon im März angesprochen: Das Artteam hat sich wesentlich vergrößert und hat sich nun mehr als verdoppelt. Ende des letzten Jahres gab es nur drei kreative Köpfe im Artbüro, die ihre Pinsel und digitalen Stifte für Silberheim haben schwingen lassen. Mittlerweile sind es acht. Die fünf neu geschaffenen Stellen machen hier natürlich einen erheblichen Unterschied.
Doch stießen wir schließlich auf ein etwas anderes Problem: Denn plötzlich gingen uns stattdessen die externen Künstler und Künstlerinnen aus, bei welchen die Illustrationen beauftragt werden – immerhin sind diese nach initialer Auftragserteilung erstmal für ein paar Wochen beschäftigt. Dies stellte jedoch nur sehr kurzfristig eine Hürde dar. Denn dank unseres Artists-Wanted-Aufrufs erreichten uns innerhalb kürzester Zeit über 1000 Bewerbungen. Dass sich der ein oder die andere hierdurch finden würde, haben wir ja erwartet. Doch mit dieser Masse haben wir keineswegs gerechnet. Daher möchten wir auch nochmal herzlichst all denjenigen danken, die sich bei uns gemeldet haben. Zugegebenermaßen können wir nur leider nicht alle 1000 auf einmal mit einer Illustration beauftragen. Sonst müsste das Artteam wohl doch bald mit den Nachtschichten anfangen. Nichtsdestotrotz hat uns auch dies enorm weitergeholfen und wir konnten bereits die ersten aus diesem Aufruf resultierenden Werke präsentieren. Nicht zu vergessen ist an dieser Stelle auch der Token-Contest, an welchem dutzende Künstlerinnen und Künstler teilgenommen haben.
Zuletzt muss ich ganz einfach nur ein großes Dankeschön an die unermüdliche Arbeit meiner Kolleginnen und Kollegen auf der gegenüberliegenden Seite des Flurs aussprechen. Denn während das gesamte Silberheim-Team seit einiger Zeit absolut am Ackern ist, um den bestmöglichen Release hinzulegen, hat diese Phase für das Artteam schon am frühesten angefangen. Mit Fleiß und einem unerschütterlichen Durchhaltevermögen machen diese acht Seelen dort drüben es möglich, dass ich überhaupt in der Lage bin, diesen Beitrag zu schreiben und zu verkünden, dass wir unser Bestes gegeben haben, das Versprechen zu halten. Vielen Dank euch.
Nun müssen wir aber über das Modder’tzhiam im Raum sprechen. Denn weshalb zum Arak sprechen wir über etwa 370 statt 485 fertiggestellte Illustrationen und was bedeutet das für die verbleibenden Fragmente? Dann kommen wir wohl zur unangenehmen Wahrheit und sind mal ganz ehrlich: Wir haben verkackt. Tatsächlich werden nicht alle 485 rechtzeitig zum Release am 30. Oktober fertig. Das ist ziemlich enttäuschend, auch für uns. Allerdings – und das könnt ihr mir nun glauben oder nicht – haben wir bzw. das gerade angesprochene Artteam wirklich alles gegeben, teilweise auch trotz Bachelorarbeiten und Studium. Letztlich war die Masse an notwendigen Illustrationen aber etwas zu groß, um ihr in Gänze gerecht zu werden.
Bedeutet das nun, dass ihr doch KI-generierte Platzhalter in Silberheim ECG finden werdet? Nein. Auf gar keinen Fall. Das wird höchstens passieren, wenn jemand in der IT den falschen Knopf drückt und das Bug-Wolby erscheint. Denn unter keinen Umständen wollen wir ein Spiel monetarisieren, das diese abscheulichen KI-Bildnisse beinhaltet. Heißt das dann, dass euch leere Kartenbilder erwarten? Auch nein. Das wäre ja auch total blöd, denn wie sonst sollt ihr eure Kreaturen und Erweiterungen auf dem Spielfeld erkennen und unterscheiden können? Stattdessen haben wir uns eine kreative Lösung überlegt. Die sich noch in Bearbeitung befindlichen Illustrationen werden – selbstverständlich auch nur vorübergehend – durch Thumbnails, Skizzen oder Colour Keys ersetzt. Was bedeutet das? Eingebunden werden Bilder, die den aktuellsten Stand der jeweiligen Werke abbilden. Bei den meisten sind das Konzepte und grobe Ideen, wie es später mal aussehen könnte. Was wir euch aber in jedem Fall versprechen können: All das wird handgemacht sein – durch den Pinsel eines internen Artists. Erkennen könnt ihr diese durch den "Artists Wanted"-Hinweis am unteren Ende der Karte. Zudem werden die wirklich fertigen Illustrationen dann über die Zeit nachgeliefert. Nun heißt es also nicht mehr, KI-Platzhalter vernichten, sondern mit Freude handgefertigter Kunst beim Entwickeln – eh, Evolving – zuschauen.
Und so sehen bzw. lesen wir uns wieder und werden euch auf dem Laufenden und Malenden halten. Vielen Dank für eure Zeit, eure Geduld und euer Vertrauen in uns.
Die besonders aufmerksamen werten Seelen unter euch erinnern sich nicht nur vage an unseren Beitrag zu generativer KI in Silberheim. Sie erinnern sich, dass damals die Rede von über 1000 Karten und entsprechend über 1000 benötigten Illustrationen war. Daher ist es möglich, dass sich eben diese Seelen nun die Frage stellen, wo die restlichen 515 denn geblieben sind. Da möchten wir die Gelegenheit nutzen, das kurz zu erläutern.
Manche dieser Fragmente haben werte Seelen auch bereits gesehen – wenn sie an der vergangenen Beta teilgenommen haben. Denn dort gab es eine ähnlich große Menge an Karten zu erspielen. Haben wir die 515 weiteren nun einfach entfernt? Nein, keine Sorge. Jedoch wird die erste Edition von Silberheim ECG unter dem bereits genannten Titel Daemonion zunächst nur 485 Karten abdecken – und dann nach und nach um weitere, jedoch optionale Editionen erweitert. Auf diesem Weg kommen dann neben Fendirils Erben, Skuhuks und Trandars Becken auch die Fraktionen der Stromläufer und Kriegerelite (sowie die eine oder andere weitere Fraktion) zum Silberheim-Kosmos hinzu. Hier ist also noch etwas Geduld angesagt.
Diese Art des Vorgehens hat gleich mehrere Gründe. Wir besprechen sie einmal in Kurzform. Zum einen haben wir auch hier das altbekannte Artwork-Problem: Handgefertigte Illustrationen brauchen nun mal eine ganze Menge Zeit und daher müssen manche Fraktionen einen längeren Weg auf sich nehmen, bis sie es schließlich ins Spiel schaffen. Zum anderen möchten wir so lange wie nur irgendwie möglich darauf verzichten, Mikrotransaktionen in Silberheim ECG zu haben. Booster werden erspielt, genauso wie Decks. Echtgeld kann im Spiel nicht ausgegeben werden – nur, um es initial zu kaufen. Damit wir aber langfristig mit dieser Strategie durchkommen, braucht es neue Editionen, die wir für einen schmalen Taler anbieten. Aber Moment! Wenn neue Editionen über die Zeit ergänzt werden, können die „alten“ und im Grundspiel enthaltenen Karten dann überhaupt noch mithalten? Ja, das ist der Plan. Genau aus diesem Grund konntet ihr während des Beta-Tests gleich alle geplanten Karten nutzen. Denn so war es uns möglich, bereits ein erstes Balancing all dieser Fragmente durchzuführen. Also macht euch keine Sorgen, liebe Fans der Stromläufer und Kriegerelite, von Nyvil oder… ach wie schade, da ist mir der Name der anderen Fraktion ja glatt entfallen.
Nun denn, werte Seelen. Wir hoffen, euch konnte dieses etwas ausgeuferte Update ein wenig zeigen, was sich im Laufe der letzten sechs Monate im Artbereich so entwickelt hat. Und auch bedanken wir uns weiterhin für eure Geduld mit uns und Silberheim. Wir versprechen, auch in Zukunft auf handgefertigte Illustrationen zu setzen und geben unser Bestes, das so schnell, aber dennoch wohlüberlegt wie möglich in die Tat umzusetzen.
Wir sehen uns in Silberheim.